BRAK-Mitteilungen 5/2026

Quelle: Michaelis, eigene Darstellung. I. RISIKOBEWERTUNG STATT PFLICHTENINVENTUR 1. BEKANNTES INSTRUMENT, VERDICHTETER MASSSTAB Die Verordnung (EU) 2024/1624 (Geldwäscheverordnung – AMLR) gilt grundsätzlich ab dem 10.7.2027 (Art. 90 S. 2 AMLR). Sie führt ein bekanntes Instrument fort, denn die Risikoermittlung, Bewertung, Dokumentation und Aktualisierung sind bereits vorgeschrieben (Art. 8 I und II der Richtlinie (EU) 2015/849, § 5 I und II GwG). Auch die Funktionsüberwachung interner Sicherungsmaßnahmen und die nach Art und Umfang der Geschäftstätigkeit angemessene unabhängige Prüfung sind bereits angelegt (§ 6 I 3 und II Nr. 7 GwG). Diese Elemente erhalten nun eine unmittelbar anwendbare unionsrechtliche Grundlage.1 1 Verordnung (EU) 2024/1624 (AMLR), Art. 90 S. 2, Art. 9 I und II sowie Art. 10 I und II, abrufbar unter https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2024/1624/oj; Richtlinie (EU) 2015/849, Art. 8 I und II, abrufbar unter https://eur-lex.europa.eu/eli/dir/201 5/849/oj; § 5 I und II sowie § 6 I 3 und II Nr. 7 GwG, abrufbar unter https://www. gesetze-im-internet.de/gwg_2017/. Für die Überleitung folgt daraus: Die Kanzlei kann aktuelle, aussagekräftige Daten weiterverwenden, muss ihre Bewertung aber am AMLR-Maßstab überprüfen (Art. 10 I UAbs. 1 und II UAbs. 1 S. 1 AMLR). Die Verordnung verbindet Risikobewertung, Kontrollen und Mängelbehebung (Art. 9 II UAbs. 1 Buchst. a Ziff. i und vii, III AMLR). Hinzu kommen eine unabhängige Prüfung und die Billigung durch das Leitungsorgan (Art. 9 II UAbs. 1 Buchst. b, Art. 10 II UAbs. 2 AMLR). Ausdrücklich einzubeziehen ist überdies das Risiko der Nichtumsetzung und Umgehung gezielter finanzieller Sanktionen (Art. 10 I UAbs. 1 AMLR). Die praktische Frage lautet deshalb: Welche Kontrolle mindert welches Risiko, und woran lässt sich ihre Wirkung erkennen?2 2 Art. 10 I UAbs. 1 und II, Art. 9 II UAbs. 1 Buchst. a Ziff. i und vii sowie Buchst. b und III AMLR. Die Überleitung ist eine Folgerung aus Bewertung und Aktualisierung, keine besondere Übergangsvorschrift. Ergänzend ErwG 29 S. 2 und ErwG 30 S. 1–3 AMLR. Zum Sanktionsrisiko: Art. 9 I UAbs. 1 Buchst. b und ErwG 33 S. 4 und 5 AMLR. Praxishinweis: Ordnen Sie in einer Überleitungstabelle jedem bisherigen Befund die erfasste Tätigkeit, neue Anforderungen, Datenquelle und Erhebungsstand zu. Ergänzen Sie belegte Kontrollwirkungen und nötige Anpassungen mit Verantwortlichkeiten und Fristen. Diese Arbeitshilfe bereitet die neue Bewertung vor – ein dafür bestimmtes Tabellenformat schreibt das Gesetz bisher jedoch nicht vor. Der Leitlinienentwurf der Behörde zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung (AMLA) vom April 2026 betrifft die Selbstbewertung der Verpflichteten (Art. 10 IV AMLR). Der Entwurf technischer Regulierungsstandards (RTS) vom Juli 2026 betrifft die Aufsichtsbewertung im Nichtfinanzsektor (Art. 40 II der Richtlinie (EU) 2024/1640 – AMLD). Beide dienen am Beitragsstichtag (8.9.2026) als methodische Orientierung, denn verbindliche Einzelvorgaben begründen sie noch nicht.3 3 AMLA, Consultation Paper – Draft Guidelines on Business-wide Risk Assessment under Article 10(4) AMLR, 16.4.2026, Abschnitt 3.4, S. 5, abrufbar unter https:// www.amla.europa.eu/document/download/f2db8372-e12a-4818-a991-6a3d45a0 cd91_en?filename=Consultation+Paper+On+draft+Guidelines+under+Article+10 %284 %29+of+Regulation+%28EU%29+20241624.pdf. AMLA, Consultation PaBRAK-MITTEILUNGEN 5/2026 AUFSÄTZE 338

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