BRAK-Magazin Ausgabe 5/2026

BRAK MAGAZIN 5/2026 5 ministerin Dr. Stefanie Hubig heraus. In ihrem Grußwort sprach sie darüber, dass Humor den Mächtigen den Spiegel vorhalte und deshalb besonders von Diktatoren gefürchtet sei. Gerade deshalb sei es die Aufgabe aller – Politiker:innen, Anwaltschaft und Künstler:innen – die Freiheiten der Kunst, der Meinung und der Medien gemeinsam zu schützen und zu verteidigen. DAS POLITISCHE IM PRIVATEN Mit Til Mette erhält den Karikaturpreis der deutschen Anwaltschaft abermals ein herausragender Vertreter der komischen Kunst. Er war Mitbegründer der taz Bremen, für die er später auch zeichnete, ebenso wie für den Bremer Weser-Kurier und 30 Jahre lang für den Stern. Seine meist in schwarzweiß gehaltenen Werke spielen in den Wohnzimmern des Bürgertums. In Alltagsszenen spiegelt er gesellschaftliche und politische Probleme, immer hintergründig und mit feinem Humor. In seiner schwungvollen Laudatio entführte Martin Sonntag das Publikum in ein kunstwissenschaftliches Seminar über den Unterschied zwischen Karikatur und Cartoon. Denn so ganz genau könne man nicht sagen, ob Til Mette nun einer der bedeutendsten Cartoonisten oder Karikaturisten sei. Beides sind Ein-Bild-Zeichnungen mit einer Pointe. Doch die Karikatur lebt davon, dass Personen oder Geschehnisse wiedererkennbar sind, bezieht sich auf konkrete Anlässe und sind deshalb oft kurzlebig. Der Cartoon ist dagegen zeitlos, hat anonymes Personal und keine politischen Inhalte. Til Mette zog das Politische, die aktuellen Themen in den Cartoon und führte die noch in den 1990er Jahren strikt getrennten Gattungen zusammen. Damit schuf er ein neues Genre: den Social Cartoon, der heute von vielen Künstler:innen gezeichnet wird. ERNSTES AM ENDE Zwar blieb die von Sonntag scherzhaft angedrohte Abfrage am Ende des „Seminars“ aus – das Publikum war dennoch ganz Ohr und lachte immer wieder herzhaft, wenn Sonntag seine „Seminarinhalte“ mit Werken Mettes illustrierte. Und dann wurde er ernst: Viele Zeitungen und Zeitschriften hätten in den letzten zehn Jahren die Karikatur- und CartoonSeiten eingespart, eine schwierige Situation für die Künstler:innen, die mit ihrer Kritik weiterhin Gehör finden wollen. Umso verdienstvoller seien deshalb Institutionen, die wie die BRAK die Bedeutung satirischer Kunst zu schätzen wissen und sie sichtbar machen helfen. Nachdenkliche Töne schlug – nach charmantselbstironischem Dank für die Auszeichnung – auch der Preisträger selbst an. Der Transfer von Print- zu digitalem Journalismus führe auch dazu, dass Cartoonist:innen mit zahlreichen digitalen Kleinstauftritten an Sichtbarkeit verlieren. Und mit Blick auf die jüngsten Landtagswahlen ergänzte er: Der wahrzunehmende Trend weg von der Rechtsstaatlichkeit beunruhige ihn. Umso wichtiger sei ein Preis, der für Sichtbarkeit sorgt. Denn die Kraft der Komik könne jedem A… dieser Welt gefährlich werden. Damit sprach er dem Großteil der Anwesenden aus der Seele – auch wenn seine Vorredner:innen es nicht ganz so deftig formuliert hatten. BRAK-Präsident Dr. Ulrich Wessels, Preisträger Til Mette, BRAK-Vizepräsident Dr. Thomas Remmers, Bundesjustizministerin Dr. Stefanie Hubig (v.l.n.r.) DER KARIKATURPREIS DER DEUTSCHEN ANWALTSCHAFT wird seit 1998 alle zwei Jahre von der BRAK verliehen. Damit ehrt sie das Engagement national und international herausragender Karikaturist:innen, die sich mit ihren kritischen Darstellungen aktueller politischer und kultureller Missstände auf hintergründige Weise für eine gerechtere und menschlichere Welt einsetzen. Wie Anwält:innen ergreifen sie Partei für Benachteiligte und Schwache im Kampf gegen Unrecht, Missachtung, Trägheit und Ignoranz. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Die eigens für die BRAK geschaffenen Werke der Preisträger:innen können in limitierter und signierter Auflage erworben werden (nähere Informationen dazu: https://www.brak.de/interessen​ vertretung/veranstaltungen/karikaturpreis/). Foto: BRAK/Nils Roth

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