BRAK-Magazin Ausgabe 5/2026

BRAK MAGAZIN 5/2026 4 DAS WIRD MAN WOHL NOCH ZEICHNEN DÜRFEN! Der 15. Karikaturpreis der deutschen Anwaltschaft geht an Til Mette Rechtsanwältin Dr. Tanja Nitschke, Mag. rer. publ., BRAK, Berlin Der vierte Hinterhof eines alten Fabrikareals. Graffiti an den Wänden. Ein vergitterter Aufzugschacht. Ein heruntergekommenes Treppenhaus. Der Weg zum 15. Karikaturpreis der deutschen Anwaltschaft führte mitten durch Berliner Charme von seiner rauesten Seite in ein umso liebevoller gestaltetes Fabrikloft, die Fabrik 23 – ein stimmungsvoller Rahmen für eine Preisverleihung. Rund 100 Gäste folgten der Einladung und meisterten die kleine Odyssee durch die Hinterhöfe, unter ihnen Bundestagsabgeordnete, Präsidentinnen und Präsidenten von Rechtsanwaltskammern, Vertreter:innen des Bundesjustizministeriums, Anwältinnen und Anwälte, etliche Karikaturistinnen und Cartoonisten, darunter auch Philipp Heinisch, der 2022 von der BRAK mit einem Sonderpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Unter den Gästen waren aber auch Referendar:innen und Studierende. Besonders stolz begrüßte BRAK-Vizepräsident Dr. Thomas Remmers das siegreiche Team Hamburg II, das beim Soldan Moot Court 2025 den BRAK-Preis für den besten Klageschriftsatz gewann. Denn es ist gute Tradition, das Siegerteam nach Berlin und zu einer Veranstaltung der BRAK einzuladen. DER KARIKATURPREIS Bereits zum 15. Mal lud die BRAK zur Verleihung ihres Karikaturpreises, der längst zu den angesehensten der Szene zählt. Die Liste der bisherigen Preisträger:innen liest sich wie ein Who is Who der internationalen Karikatur: unter anderem Ronald Searle, Tomi Ungerer, Marie Marcks, Hans Traxler, Greser&Lenz, der türkische Zeichner Sefer Selvi und zuletzt Cathérine Meurisse. Zu verdanken ist diese illustre Auswahl einer hochrangig besetzten Jury mit großer Expertise im Bereich der komischen Kunst. Zu ihr zählen – neben BRAK-Vizepräsident Dr. Thomas Remmers – Julia Haderer, die stellvertretende Geschäftsführerin der „Schule des Ungehorsams“, eines innovativen Projekts in Linz, das kritisches Denken und zivilen Ungehorsam fördern will; Dr. Eva Jandl-Jörg, renommierte Kunsthistorikerin und Direktorin des Wilhelm Busch-Museums für Karikatur und Zeichenkunst in Hannover; Martin Sonntag, Leiter des CaricaturaMuseums für komische Kunst in Frankfurt am Main, und Andreas Platthaus, Chef des Ressorts Literatur und literarisches Leben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. WARUM DIE ANWALTSCHAFT KARIKATUREN EHRT Warum die BRAK überhaupt einen Karikaturpreis erschuf, erläuterte Remmers in seinem Grußwort. Die Karikatur zeigt auf unterhaltsame Weise gesellschaftliche und politische Missstände auf. Die Künstler:innen legen mit ihren Werken den Finger in die Wunde. Deswegen sind sie elementarer Bestandteil unseres demokratischen Rechtsstaats. Wie groß ihre Bedeutung ist, zeige sich daran, wie stark die Bestrebungen sind, die Freiheit der Kunst einzuschränken – nicht etwa nur in autoritären Staaten wie der Türkei. Auch die gerade in Sachsen-Anhalt bei den Landtagswahlen siegreiche Partei habe eine „Patriotismusklausel“ für Kunst und Kultur angekündigt und will dafür sorgen, dass Kunst wieder einen Beitrag zu deutscher Identitätsfindung leistet – aus Remmers‘ Sicht ein klar verfassungswidriges Vorhaben. Umso wichtiger sei es, an diesem Abend die Freiheit von Kunst und Meinung hochleben zu lassen. Wie wichtig Karikaturen als Mittel der Machtkritik und des Protests sind, stellte auch BundesjustizBRAK/Til Mette 2026, Original: Fineliner und Filzstift auf Papier. Hochformat: 29,7 × 21 cm

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