BRAK-Magazin Ausgabe 5/2026

BRAK MAGAZIN 5/2026 15 dierte und sich schließlich der Familie wegen für den ReFa-Beruf entschied. Und schließlich Vanessa Froböse (ebenfalls aus dem Rechtsanwaltskammerbezirk Braunschweig), die mit familiärem Rückhalt den Quereinstieg aus einer kaufmännischen Erstausbildung wagte – und ebenfalls als eine der Besten in ihrem Kammerbezirk abschloss. NACHWUCHSSORGEN UND KI Die feierliche Prämierung findet vor einem ernsten Hintergrund für die Branche statt. Trotz eines leichten Anstiegs auf 1.614 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge im Sommer 2026 bleibt der Fachkräftemangel in den Kanzleien eklatant. Wer junge Talente gewinnen und halten will, kann sich nicht mehr auf verstaubte Selbstverständlichkeiten berufen. Gefragt sind faire Vergütung, Entwicklungspfade, moderne, digitale Arbeitsmittel – und vor allem eine sichtbare Kultur der Anerkennung. Genau hier lag die Botschaft des Tages: Wertschätzung ist kein netter Nebeneffekt, sondern gehört ins Zentrum der Kanzleikultur. Das gilt umso mehr im Zeitalter der digitalen Transformation. Die Debatte, ob künstliche Intelligenz das Kanzleipersonal überflüssig mache, greife zu kurz, betonte Jan Lehniger von RA-Micro, in deren Räumen im Cube die Veranstaltung zu Gast sein durfte. KI könne Prozesse beschleunigen und Entwürfe liefern – die fachliche Kontrolle, die Prüfung von Fristen, das Gespür für verunsicherte Mandantinnen und Mandanten und die logistische Gesamtverantwortung blieben jedoch fest in menschlicher Hand. KI ersetzt keine Haltung. Je digitaler die Kanzlei wird, desto höher steigt der Anspruch an die Medien- und Prozesskompetenz der Fachangestellten. DER ABSCHLUSS IST KEIN ENDBAHNHOF Dass der Berufsweg ReFa/ReNo weit mehr bietet als ein Schreibtischdasein, verdeutlichte Nicole Göbel von der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB). Über Weiterbildungs- und Aufstiegsstipendien stehen den Absolventinnen und Absolventen einige Wege offen – vom Bachelor Professional im Rechtswesen über Fachwirtausbildungen bis zum Jurastudium, wie es Top-Absolvent Tobias Seebacher im Herbst in Konstanz beginnt. Das Signal an anwaltliche Arbeitgeber ist unmissverständlich: Wer Karrierewege im eigenen Haus aufzeigt und fördert, schafft Bindung. Wer Weiterbildung als Investition begreift, sichert die Wettbewerbsfähigkeit der eigenen Kanzlei. EIN SIGNAL, DAS BLEIBEN MUSS Wie tief bei den Fachkräften der Wunsch nach echter Wertschätzung sitzt, zeigt die überaus positive Resonanz der Geehrten. „Es war großartig und eine sehr gelungene Wertschätzung, die motiviert und zeigt, dass sich Einsatz lohnt“, resümierte Lusy Schmitt. Auch Lea Marie Meißner (Rechtsanwaltskammerbezirk Berlin) und Johanna Kramer (Rechtsanwaltskammerbezirk Oldenburg) unterstrichen, welchen großen Stellenwert die Auszeichnung für ihr Berufsleben hat. SAVE THE DATE: TAG DER KANZLEIHELD:INNEN Zum Abschluss hatte BRAK-Vizepräsidentin Sabine Fuhrmann noch eine Ankündigung: „Wie hoffentlich in Zukunft in jedem Jahr soll auch in diesem Jahr wieder der ‚Tag der Kanzleiheld:innen – Recht. Schlau. Genau.‘ gefeiert werden. Letztes Jahr war die Premiere am 12. November, dieses Jahr fällt der Tag auf den 11. November.“ Sie ermunterte die Absolventinnen und Absolventen, das Datum schon jetzt in ihren Kanzleien bekannt zu machen. Der Aktionstag „Recht. Schlau. Genau.“ wurde 2025 erstmals begangen – gemeinsam initiiert von Bundesrechtsanwaltskammer, Deutschem Anwaltverein, Bundesnotarkammer, Forum Deutscher Rechts- und Notarfachwirte und RENO Bundesverband. Er soll künftig jeweils am zweiten Mittwoch im November stattfinden. Die Köpfe hinter der Ehrung (v.l.n.r.): Peter Klotzki (Bundesverband der Freien Berufe), Reiner Riegler (DAV), BRAK-Vizepräsidentin Sabine Fuhrmann, Kristina Trierweiler (BRAK), Sabine Vetter (Forum Deutscher Rechts- und Notarfachwirte), Ronja Tietje (ReNo Bundesverband), Catharina Rabenschlag (DAV) Ausklang über den Dächern Berlins

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