OHNE SIE LÄUFT NICHTS – KANZLEIHELD:INNEN VON MORGEN Die Anwaltschaft ehrte in Berlin erstmals ihre besten ReFa- und ReNo-Auszubildenden Ass. jur. Anja Jönsson, BRAK, Berlin Fristen, Akten, Mandant:innen, Künstliche Intelligenz: Der Kanzleialltag wird komplexer – und die Menschen, die ihn tragen, werden wichtiger. Am 7. August standen im Berliner Cube erstmals die bundesweit besten frisch gebackenen Rechtsanwalts- sowie Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten auf einer Bühne. Mit Pokal, Applaus und einer Botschaft, die weit über den Festakt hinausreicht. Wer verstehen will, wie eine Kanzlei wirklich funktioniert, sollte nicht nur auf Briefbogen, Website oder Kanzleischild schauen. Entscheidend sind die Momente, in denen morgens das Telefon klingelt, eine Frist geprüft, ein Schriftsatz versendet, eine Mandantin beruhigt, eine Kostenrechnung erstellt wird. Genau dort arbeiten die Menschen, die nun erstmals bundesweit geehrt wurden: 23 Absolventinnen und Absolventen der Ausbildung als Rechtsanwalts- oder Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte aus insgesamt 21 Kammerbezirken, allesamt Jahrgangsbeste ihrer Region. Die Idee dazu kam Ronja Tietje vom ReNo Bundesverband. In vielen anderen Branchen sei die bundesweite Bestenehrung längst gelebte Praxis, für die Rechtsberufe habe eine solche Bühne bislang gefehlt – eine Lücke, die sie schließen wollte. Dass ReNo Bundesverband, Bundesrechtsanwaltskammer, Forum Deutscher Rechts- und Notarfachwirte und Deutscher Anwaltverein die Ehrung gemeinsam aus der Taufe gehoben haben, zeigt ein neues Bewusstsein: Fachkräftenachwuchs ist keine lästige Verwaltungsaufgabe, sondern eine Kernfrage für die Zukunft der Anwaltschaft. Der Ort war klug gewählt. Der Cube am Berliner Hauptbahnhof – ein gläserner Solitär mit Blick auf Kanzleramt und Reichstag – bildete den Rahmen für eine Tagung, bei der es im Kern um die Funktionsfähigkeit unseres Rechtsstaats ging. Denn der Zugang zum Recht beginnt nicht im Gerichtssaal, sondern am Empfangstresen, am Telefon oder bei der digitalen Ersteinschätzung in der Kanzlei. EXZELLENZ IM ALLTAG „Leistung in unseren Berufen ist meistens leise“, betonte BRAK-Vizepräsidentin Sabine Fuhrmann in ihrer Begrüßung. „Heute soll sie laut sein.“ Der Perspektivwechsel ist überfällig: In vielen Sozietäten gilt eine perfekt organisierte Kanzlei als Selbstverständlichkeit – bemerkt wird die Kanzleiorganisation aber oft erst, wenn etwas schiefläuft. Die Bestenehrung kehrte diese Logik um: Nicht die Panne macht die Arbeit sichtbar, sondern die Spitzenleistung. Wie hoch diese Qualifikation liegt, zeigen die Lebensläufe des Jahrgangs. Tobias Seebacher aus dem Bezirk der Rechtsanwaltskammer Freiburg – ursprünglich aus der Elektrotechnik gewechselt – schloss seine Ausbildung mit dem maximal erreichbaren Ergebnis von 100 Punkten ab. Ebenso beeindruckend: Lusy Schmitt (Rechtsanwaltskammerbezirk Karlsruhe), die mit 96 Punkten in auf eineinhalb Jahre verkürzter Ausbildungszeit abschloss und bereits die Fortbildung als Bachelor Professional anpeilt. Bemerkenswert sind auch die Wege von Maria F. Elcano (Rechtsanwaltskammerbezirk Braunschweig), die in Argentinien bereits als Rechtsanwältin gearbeitet hatte und sich nach ihrer Übersiedlung nach Deutschland das ReNo-Berufsbild komplett neu aneignete, und von Olesia Trochin (Rechtsanwaltskammerbezirk Mecklenburg-Vorpommern), die nach ihrem Jurastudium in der Ukraine an einem Verwaltungsgericht tätig war, in Deutschland bis zur erfolgreichen Zwischenprüfung Jura stuDie frisch geehrten besten Absolvent:innen der Ausbildung zum/zur Rechtsanwaltsfachangestellten Fotos: BRAK/Nils Roth
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