BRAK-Magazin 4/2026

BRAK MAGAZIN 4/2026 13 NETWORKING UND AKQUISE Drei Erfolgsfaktoren für die anwaltliche Praxis Rechtsanwältin Dr. Anja Schäfer, Karriere-Coach für Jurist:innen, Berlin Networking und Akquise gehören zu den entscheidenden Karriere- und Geschäftsfaktoren im Anwaltsberuf. Dennoch werden sie in Ausbildung und Kanzleialltag häufig vernachlässigt. Viele Kolleginnen und Kollegen berichten, dass sie erst Jahre nach ihrem Berufseinstieg verstanden haben, wie sehr Mandatsakquise von einem funktionierenden Netzwerk abhängt. Wer jedoch früh beginnt, Kontakte strategisch zu knüpfen und zu pflegen, verschafft sich einen entscheidenden Vorteil – unabhängig davon, ob es um den nächsten Karriereschritt oder um den Ausbau der eigenen Mandatsarbeit geht. In diesem Beitrag stelle ich drei Erfolgshebel vor, die für Anwältinnen und Anwälte im Kontext von Networking und Akquise entscheidend und daher besonders wichtig sind. 1. POSITIONIEREN SIE SICH FRÜHZEITIG ALS EXPERT:IN Viele Anwältinnen und Anwälte warten damit, ihre Expertise sichtbar zu machen, bis sie sich als „fertig“ ausgebildet empfinden. Dabei ist genau das Gegenteil ratsam: Beginnen Sie früh, sich im eigenen Umfeld und nach außen als Expertin bzw. Experte zu positionieren. Das gelingt durch aktive Teilnahme an internen Besprechungen, durch kurze Fachbeiträge auf LinkedIn bzw. dem Kanzleiblog oder durch den Austausch in rechtsgebietsübergreifenden Fachgruppen. Entscheidend ist, dass Ihr Name mit Ihrem Thema verbunden wird. Der „Mehraufwand“ lohnt sich. Denn wer früh sichtbar ist, wird schneller weiterempfohlen – und hat damit Akquisevorteile, die sich langfristig auszahlen. 2. HALTEN SIE DIE „OHREN OFFEN“ FÜR DAS, WAS AM MARKT PASSIERT Mandate entstehen dort, wo neue rechtliche Fragen und Beratungsbedarfe auftauchen. Deshalb ist es unerlässlich, den Markt im Blick zu behalten: Suchen Sie regelmäßig das Gespräch mit Mandantinnen und Mandanten, Kolleginnen und Kollegen aus anderen Kanzleien oder Kooperationspartnerinnen und -partnern. So erfahren Sie frühzeitig, welche rechtlichen Entwicklungen relevant werden und wo neue Beratungsansätze gefragt sind. Ein interdisziplinärer Austausch ermöglicht es Ihnen, gemeinsam mit anderen innovative Lösungen zu entwickeln – sei es in Form von Publikationen, Vorträgen oder neuen Beratungsmodellen. Auf diese Weise machen Sie Ihr Netzwerk zu einem echten Wettbewerbsvorteil und sichern sich Akquisemöglichkeiten, bevor andere sie erkennen. 3. BETRACHTEN SIE AKQUISE ALS TEIL IHRER NETWORKING-AKTIVITÄTEN Die Mandantenakquisition empfinden viele Anwältinnen und Anwälte als unangenehm. Doch Akquise ist nichts anderes als Networking mit einer klaren Zielsetzung. Wichtig ist, dabei die Reihenfolge einzuhalten: Zunächst Beziehung und Vertrauen aufbauen, dann Expertise zeigen – und erst im dritten Schritt über konkrete Mandate oder Kooperationen sprechen. Wer diesen Weg konsequent geht, wird feststellen, dass Mandatsakquise weniger mit „Verkaufen“ zu tun hat, sondern vielmehr mit Verlässlichkeit, Sichtbarkeit und Vertrauen. Genau diese Kombination führt dazu, dass Sie weiterempfohlen werden und kontinuierlich an Sichtbarkeit und Reichweite gewinnen – mit der Folge, dass neue Mandate auf Sie zukommen. FAZIT Networking und Akquise sind keine Zusatzaufgaben, die nur für Partnerinnen und Partner oder selbstständige Anwältinnen und Anwälte relevant sind. Sie sind Teil Ihres anwaltlichen Alltags – idealerweise vom ersten Berufsjahr an. Wer früh mit dem Aufbau und der Pflege von Kontakten beginnt, wer die eigene Expertise sichtbar macht und Akquise als Teil des Networkings versteht, legt das Fundament für nachhaltigen beruflichen Erfolg und das persönliche Vorankommen auf der Karriereleiter. Foto: Master1305/shutterstock.com

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