KOMMUNIKATIONSHÜRDEN VERMEIDEN Worauf Anwältinnen und Anwälte in Gesprächen mit Mandantinnen und Mandanten achten sollten – sechs „Erfolgshebel“ für bewusste Kommunikation Rechtsanwältin Dr. Anja Schäfer, Karriere-Coach für Jurist:innen, Berlin In der anwaltlichen Beratung entscheidet selten allein das Fachwissen über den Verlauf eines Gesprächs. Viel häufiger scheitern Gespräche mit (potenziellen) Mandantinnen und Mandanten an Missverständnissen – oft schon bevor man zur „eigentlichen“ Rechtsfrage kommt. Steigende Erwartungen, Zeitdruck oder falsche Vorstellungen zum rechtlich machbaren führen oft zu Frustration auf beiden Seiten. Wer als Anwältin oder Anwalt Gespräche souverän führen will, braucht daher mehr als nur juristische Argumente: Es gilt, typische Kommunikationshürden aktiv zu vermeiden. Denn zwischen dem, was wir denken, dem, was wir tatsächlich sagen, und dem, was unser Gegenüber hört, versteht, akzeptiert und später tatsächlich tut, liegen zahlreiche Kommunikationsfallen. Auf jeder dieser Ebenen können Informationen verlorengehen oder falsch interpretiert werden, was zu Missverständnissen führen kann. Entscheidend ist, wie wir als Anwält:innen professionell damit umgehen. Die nachfolgenden sechs „Erfolgshebel“ zeigen, an welchen Stellen Kommunikation im anwaltlichen Alltag regelmäßig „abbricht“ – und wie ein bewusster Umgang damit aussehen kann. 1. Gedacht ist nicht gesagt: Klarheit statt Annahmen Missverständnisse entstehen, weil Anwält:innen voraussetzen, dass Mandant:innen dieselben Schlüsse ziehen wie sie selbst. Doch Selbstverständlichkeiten sind selten selbstverständlich. Zentrale Informationen sollten klar und nachvollziehbar formuliert werden – auch wenn sie Ihnen banal erscheinen. 2. Gesagt ist nicht gehört: Informationsfluss absichern Dass Sie etwas gesagt haben, heißt nicht, dass es ihr Gegenüber wahrgenommen hat. Stress, Emotionen oder fehlende juristische Vorkenntnisse filtern Inhalte. Perspektivwechsel mit kurzen Kontrollfragen („Ist das für Sie nachvollziehbar?“) helfen Ihnen sicherzustellen, dass Ihr Gegenüber entscheidende Punkte wirklich gehört hat. 3. Gehört ist nicht verstanden: aktiv rückversichern Juristische Sachverhalte sind komplex. Lassen Sie Ihr Gegenüber mit eigenen Worten sagen, was „angekommen“ ist. Das schützt vor Konflikten und erhöht die Chance, dass tragfähige Ergebnisse gefunden und getroffene Entscheidungen umgesetzt werden. 4. Verstanden ist nicht einverstanden: Einwände sichtbar machen Mandantinnen und Mandanten können etwas verstanden haben und dennoch innerlich nicht mitgehen. Fragen Sie aktiv nach Bedenken. Denn unausgesprochene Einwände blockieren – vor allem in emotionalen oder wirtschaftlich relevanten Fällen. 5. Einverstanden ist nicht ausgeführt: klare Verantwortlichkeiten formulieren Ein Einverständnis der Mandantinnen und Mandanten führt nicht allein dazu, tragfähige Ergebnisse zu erreichen. Vielmehr geht es darum, mit ihnen wie auch den anderen Beteiligten konkrete Vereinbarungen zu treffen und klare Zuständigkeiten zu bestimmen. 6. Ausgeführt ist nicht beibehalten: Ergebnisse nachhalten Nachfassen ist kein Misstrauen, sondern ein wichtiger Teil professioneller anwaltlicher Arbeit. Ein kurzer Check-In beim Folgegespräch oder regelmäßige Besprechungen bei umfangreichen Verfahren stellen sicher, dass besprochene Maßnahmen nicht nur begonnen, sondern auch nachhaltig umgesetzt werden. Mehr Zeit für das, was zählt Kommunikation ist einwirkungsvoller Hebel im juristischen Alltag. Wer die oben genannten typischen Hürden kennt und aktiv vermeidet, führt Gespräche klarer, effizienter und vertrauensvoller. Für Sie als Anwältin oder Anwalt bedeutet das: weniger Missverständnisse – und mehr Zeit für das, was wirklich zählt: gute juristische Arbeit. Foto: FGC/shutterstock.com
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