BRAK MAGAZIN 2/2026 17 Im bundesweiten Vergleich hat Brandenburg schon recht lange die meisten aktiven Frauen im Ehrenamt. Wie kommt das? Ich bin der festen Überzeugung, dass das vor allem über Vorbilder funktioniert und durch gegenseitiges Unterstützen. Man sieht eben, dass Frauen das machen, dass sie das können. Und wenn Vorstandsposten vakant sind, tritt man als Frau vielleicht auch eher an andere Frauen heran, um sie für die Mitarbeit zu gewinnen. Dass wir so viele Frauen haben im Präsidium und im Vorstand, hat sich so entwickelt. Ich glaube nicht, dass es einen Unterschied macht, ob dort viele oder wenige Frauen sind – aber es ist wichtig, dass überhaupt die weibliche und die männliche Sicht und die Art und Weise, mit Problemen umzugehen, im Ehrenamt vertreten sind. … es ist wichtig, dass überhaupt die weibliche und die männliche Sicht im Ehrenamt vertreten sind. Ist es generell für Anwältinnen schwieriger, neben dem Job noch ein Ehrenamt auszufüllen? Auf jeden Fall! Ich habe selbst Familie, zwei Kinder und einen Enkel, und ich habe tatsächlich erst mit der Ehrenamtsarbeit angefangen, als die Kinder aus dem Gröbsten raus waren. In einer Zeit, in der man als Elternteil sehr gefordert ist, ist es als Frau schwieriger, das auch noch mit einem Ehrenamt zu verbinden, weil man eher die familiären Aufgaben übernimmt als der männliche Elternteil. Nach unserer Erfahrung passt Ehrenamt eher dann, wenn man nicht mehr ganz kleine Kinder hat, obwohl das natürlich auch geht. Aber es ist schon Aufwand, den man auch betreiben wollen muss, und Zeit, die man erstmal haben muss. Gibt es bestimmte organisatorische Dinge in Ihrer Kammer, um es anderen Frauen – Stichwort Familie – zu erleichtern, an den Sitzungen teilzunehmen? Brandenburg ist ein Flächenland. Ich fahre von Frankfurt/Oder bis Brandenburg an der Havel, wo unsere Kammer sitzt, zwei Stunden. Damit alle die Chance haben, rechtzeitig in Brandenburg zu sein, sind die Vorstandssitzungen bei uns traditionell an einem Freitag ab 10 Uhr. Natürlich könnte man das auch online oder hybrid machen. Aber man darf nicht vergessen, dass es häufig um existenzielle Entscheidungen geht, wenn wir über Zulassungsfragen sprechen. Da sollte man sich ausreichend Zeit für Diskussionen nehmen, das geht in Präsenz besser. Aber in den Abteilungen gibt es auch Videositzungen, das sprechen die Kolleginnen und Kollegen nach Bedarf ab. Wir hatten auch schon Vorstandssitzungen, wo ein männlicher Kollege mit seinem kleinen Sohn auf dem Schoß per Video teilgenommen hat – auch das geht. Wirkt die sehr weibliche Spitze Ihrer Kammer in die Öffentlichkeit hinein? Unbedingt! Wir zeigen, dass man als Frau diese verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen kann – für andere Frauen, die vielleicht überlegen, beruflich noch mal in ein anderes Feld einzutauchen. Es ist gut, dass wir als Frauen auch zeigen, dass wir das genauso wie die Männer können. Wir bilden in meiner Kanzlei auch aus und ich habe an der Uni Vorlesungen gehalten. Natürlich werbe ich da für den Beruf – aber eben auch dafür, sich berufspolitisch zu engagieren. Das hilft sicherlich, andere Frauen zu motivieren. Rund 60 % der Jurastudierenden sind Frauen, doch in der Anwaltschaft sind Frauen im Verhältnis dazu unterrepräsentiert. Wo sehen Sie Stellschrauben, damit das ausgewogener wird? Das geht nur über Vereinbarkeit von Familie und Beruf und über auskömmliche Einkommen. Es wird sowieso seltener, dass junge Absolventen nach dem Referendariat und dem zweiten Staatsexamen Anwältin oder Anwalt werden. Hier in Frankfurt/ Oder haben wir, glaube ich, zuletzt 2018 eine junge Kollegin zugelassen. Die Entwicklung geht generell nach unten, immer weniger steigen in den Beruf als junger Anwalt oder junge Anwältin ein. Für Frauen sind natürlich der öffentliche Dienst und die Justiz attraktiv. Gerade um sie gibt es eine große Konkurrenz, besonders in kleineren Städten. Was wäre für Sie ein Erfolg, wenn sie später einmal auf ihre Amtszeit zurückblicken? Für mich wäre es ein Erfolg, dass wir diese Weiblichkeit in Vorstand und Präsidium behalten, denn das ist tatsächlich ein angenehmes und freundschaftliches Arbeiten. Und dass die Anwältinnen und Anwälte in Brandenburg ihre Kammer positiv sehen und nicht nur als Polizist, wenn es um die Einhaltung der Berufsordnung geht. Die Kammer ist Partnerin. Und sie ist unsere eigene Organisation, die für uns da ist, um den Anwaltsberuf weiter attraktiv zu halten, und die junge Leute motiviert, Anwältin oder Anwalt zu werden. Interview: Rechtsanwältin Dr. Tanja Nitschke, Mag. rer. publ.
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