BRAK-Magazin Ausgabe 2/2026

BRAK MAGAZIN 2/2026 18 DAI AKTUELL KI-Workflows im Familienrecht – Zwischen Effizienzgewinn und Verantwortung Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht sowie für Erbrecht Beatrix A. Ruetten, Hamburg Künstliche Intelligenz verändert die juristische Arbeitsweise – auch im Familienrecht. Während KI in anderen Rechtsgebieten längst zur Recherche- und Strukturierungshilfe geworden ist, stellt sich hier eine besonders anspruchsvolle Frage: Wie lässt sich diese Technologie so einsetzen, dass sie die anwaltliche Arbeit tatsächlich erleichtert – ohne Präzision, Verschwiegenheit oder strategische Qualität zu gefährden? Gerade im Familienrecht treffen komplexe materiellrechtliche Fragestellungen – etwa zu Unterhalt, Zugewinnausgleich oder Vermögensauseinandersetzung – auf hoch emotionale Konfliktsituationen. Mandate sind häufig informationsintensiv: E-Mails, Schriftsätze der Gegenseite, WhatsAppAuszüge, Tabellen zur Einkommensentwicklung, handschriftliche Ergänzungen der Mandantschaft. Entscheidende Details liegen nicht selten verstreut in unterschiedlichen Dokumenten. KI kann hier die strukturierte Zusammenführung dieser Informationen übernehmen – Inhalte aus verschiedenen Quellen systematisch bündeln, chronologisch ordnen und thematisch clustern, etwa nach Einkommensverhältnissen, Vermögenspositionen, streitigen Tatsachen oder prozessualen Schritten. Was zuvor fragmentiert war, wird zu einer konsistenten Arbeitsgrundlage. Ebenso kann KI in einer ersten Phase der Rechtsrecherche unterstützen. Mit den richtigen Tools lassen sich aktuelle Entscheidungen identifizieren, Argumentationslinien strukturieren und typische Problemfelder – etwa bei der Ermittlung des bereinigten Nettoeinkommens oder der Bewertung von Wohnvorteilen – voranalysieren. Die juristische Subsumtion bleibt anwaltliche Aufgabe, doch der Einstieg in die vertiefte Prüfung wird deutlich beschleunigt. Ein weiteres Beispiel ist die Entwicklung von Vergleichsvorschlägen oder die strategische Reaktion auf gegnerische Angebote. KI kann unterschiedliche Szenarien modellhaft durchspielen, wirtschaftliche Auswirkungen transparent machen und Antwortentwürfe vorbereiten. Gerade in emotional aufgeladenen Konstellationen schafft diese sachliche, systematische Betrachtung eine stabile Grundlage für strukturierte Verhandlungen. Diese Beispiele stehen stellvertretend für zahlreiche weitere Einsatzmöglichkeiten – von der Schriftsatzstrukturierung über die Argumentationsprüfung bis hin zur Mandantenkommunikation. Der tatsächliche Mehrwert entfaltet sich insbesondere dann, wenn KI nicht punktuell, sondern als durchdachter Bestandteil eines klar definierten Workflows eingesetzt wird. Natürlich bleibt die rechtliche Bewertung eine genuin anwaltliche Aufgabe. KI trifft keine strategischen Entscheidungen und ersetzt keine Subsumtion. Datenschutz, Verschwiegenheitspflichten und sorgfältige inhaltliche Kontrolle sind unverzichtbar. Der Mehrwert entsteht nicht durch unkritische Nutzung, sondern durch methodisch saubere Integration in den anwaltlichen Arbeitsprozess. Im untenstehenden Seminar wird anhand konkreter Fallkonstellationen gezeigt, wie praxistaugliche KI-Workflows aufgebaut werden. Die Teilnehmenden erhalten Tool-Empfehlungen und sofort umsetzbare Arbeitsmethoden für den Kanzleialltag. Künstliche Intelligenz wird anwaltliche Arbeit nicht ersetzen, aber sie kann sie spürbar erleichtern – vorausgesetzt, sie wird mit Maß, Methode und Verantwortungsbewusstsein eingesetzt. VOM EINSTIEG BIS ZUM PROFESSIONELLEN KI-WORKFLOW – MATERIELLRECHTLICHE FRAGESTELLUNGEN IM FAMILIENRECHT MIT KÜNSTLICHER INTELLIGENZ SICHER UND WIRKSAM EINSETZEN (09257686) Referentin: Rechtsanwältin Beatrix A. Ruetten, Fachanwältin für Familienrecht, Fachanwältin für Erbrecht, Hamburg Live-Stream via DAI eLearning Center, 14.09.2026, 13:30–19:00 Uhr, 5,0 Zeitstunden – mit Bescheinigung nach § 15 FAO Informationen und Anmeldungen: Deutsches Anwaltsinstitut e. V. Tel.: 0234 97064-0; Fax: 0234 703507 E-Mail: info@anwaltsinstitut.de www.anwaltsinstitut.de

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