BRAK MAGAZIN 2/2026 13 VON 16 PROZENT ZU MEHR Der Weg in die Partnerschaft ist für Frauen noch immer eine Strukturfrage Judith C. Nikolay, Berlin 16 Prozent. Das ist der Anteil, den Frauen in den Partnerschaften der größten Wirtschaftskanzleien in Deutschland ausmachen. Erhoben hat diese Daten die AllBright-Stiftung und mit dieser Studie die Diskussion weiter angeheizt. Für Wirtschaftskanzleien ist diese Erkenntnis nicht neu. Seit Jahren ist die Anzahl an Frauen, die als Berufseinsteigerinnen in Wirtschaftskanzleien einsteigen, deutlich höher als die, die es letztlich in die Partnerschaft schaffen. Und das nicht etwa, weil sie schlechter performen als ihre männlichen Kollegen. Die Gründe sind struktureller Natur, wie die AllBright-Studie zeigt. Die entscheidende Frage lautet daher, unter welchen Rahmenbedingungen Karrierewege in Wirtschaftskanzleien künftig verlaufen müssen, damit aus Berufsanfängerinnen auch Partnerinnen werden. Die Diskussion wird inzwischen differenzierter geführt als noch vor einigen Jahren. In vielen Managementebenen großer Kanzleien ist ein Bewusstseinswandel zu beobachten, der bereits vor Veröffentlichung der AllBright-Studie begonnen und mit dieser an Bedeutung gewonnen hat. Zunehmend setzt sich die Einsicht durch, dass berufliche Laufbahnen in der Anwaltschaft nur dann zukunftsfähig sind, wenn sie Raum für unterschiedliche Lebensentwürfe lassen. VERÄNDERUNGEN WERDEN SICHTBAR In vielen Kanzleien lässt sich bereits beobachten, dass sich etwas bewegt. Seit dem Jahr 2020 wurden in einer größeren deutschen Wirtschaftskanzlei mehr als zehn Partnerinnen aus den eigenen Reihen ernannt – und nur weniger als die Hälfte resultierte aus Wechseln. Während in derselben Kanzlei zwischen 2015 und 2020 neue Partnerinnen zum größten Teil aus externen Wechseln kamen, erfolgt die Entwicklung in die Partnerschaft hier nun überwiegend intern. Dies zeigt: Der strukturelle Wandel hat begonnen, Veränderung ist möglich. Bei CMS waren zum Jahresbeginn 2026 immerhin drei von acht Neu-Partner:innen Frauen. Der Vorstand des BWD ist in der Amtsperiode 2026 bis 2028 paritätisch besetzt. Gleiches gilt für das künftige Vorstandssprecherteam. Die Geschäftsführung liegt in rein weiblicher Hand. ARBEITSZEITRECHT ALS RECHTLICH WICHTIGER HEBEL Solche Entwicklungen entstehen allerdings nicht von selbst. Sie setzen voraus, dass sich das Bewusstsein und mit diesem auch die strukturellen Rahmenbedingungen verändern. Dazu gehört etwa das Arbeitszeitrecht, das in Deutschland noch immer stark von Arbeitsmodellen des letzten Jahrhunderts geprägt ist. Für wissensbasierte Berufe wie den Anwaltsberuf, in denen Arbeitszeiten häufig eigenverantwortlich organisiert werden (müssen) und Arbeit längst mobil erfolgt, sind tägliche Höchstarbeitszeiten und starre Ruhezeitregelungen nur begrenzt geeignet, die Realität moderner Berufsausübung abzubilden. Eine stärkere Nutzung der europarechtlichen Spielräume im Arbeitszeitrecht, etwa durch wöchentliche statt tägliche Höchstarbeitszeiten und Vertrauensarbeitszeit für Wissensarbeitende, in jedem Fall die freien Berufe, könnte hier Raum für Flexibilität schaffen und unterschiedliche Lebensmodelle begünstigen. Ziel ist also nicht die Ausweitung der Arbeitszeit, sondern das Schaffen von Gestaltungsspielraum bei ihrer Verteilung – etwa um Familienphasen oder andere Verpflichtungen leichter mit anspruchsvoller Mandatsarbeit verbinden zu können. FAZIT Die Entwicklung in vielen Kanzleien zeigt bereits heute: Wo Spielräume bewusst genutzt werden, verändern sich Karrierewege. Partnerschaft wird dann von fachlicher Leistung und unternehmerischer Verantwortung geprägt, nicht von einem bestimmten Lebensmodell. Verlässliche Strukturen sowie Bewusstsein und Akzeptanz für unterschiedliche Lebensrealitäten sind der Grundstein für mehr Frauen in der Partnerschaft. Wo der Bewusstseinswandel gelingt, folgt die Entwicklung meist schneller, als es die Statistik zunächst vermuten lässt. Judith C. Nikolay ist Geschäftsführerin des Bundesverbands der Wirtschaftskanzleien in Deutschland e.V. (BWD)
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