BRAK-Magazin Ausgabe 5/2026

BRAK MAGAZIN 5/2026 8 LEISE LAUT SEIN Sabine Fuhrmann mit dem Maria-Otto-Preis geehrt Rechtsanwältin Dr. Tanja Nitschke, Mag. rer. publ., BRAK, Berlin „Es ist wahnsinnig ungewohnt, den eigenen vollen Namen so oft hintereinander zu hören.“ Mit diesen Worten trat eine sichtlich gerührte Sabine Fuhrmann ans Rednerpult in der voll besetzten Berliner Mendelssohn-Remise. Wenige Augenblicke zuvor war die Leipziger Rechtsanwältin mit dem MariaOtto-Preis des Deutschen Anwaltvereins (DAV) ausgezeichnet worden. Fuhrmann ist Präsidentin der Rechtsanwaltskammer Sachsen, Vizepräsidentin der BRAK und auch darüber hinaus vielfach engagiert. EIN PREIS FÜR VORBILDER Den Maria-Otto-Preis gibt es seit 2010. Initiiert hat ihn die Arbeitsgemeinschaft Anwältinnen im DAV, damit starke Anwältinnen sichtbarer werden, denn unter den Geehrten anderer Preise für die Anwaltschaft fanden sich kaum Frauen. Ausgezeichnet werden Frauen und Organisationen, die sich besonders um die Belange von Frauen in Beruf, Justiz, Politik und Gesellschaft verdient gemacht haben – Frauen, die Vorbilder für andere sind. Namensgeberin des Preises ist Dr. Maria Otto, die lange und beharrlich kämpfen musste, bis sie 1922 schließlich als erste Frau in Deutschland zur Rechtsanwaltschaft zugelassen wurde (ausführlich Jönsson im nachfolgenden Beitrag). Dementsprechend steht Sabine Fuhrmann nun in einer Reihe beeindruckender Frauen, die den Preis vor ihr erhielten. Mit dem Preis wolle der DAV zum Nachdenken anregen, wie man die Gleichstellung von Anwältinnen verbessern kann, erläuterte DAV-Präsident Stefan von Raumer. Dass nun eine wichtige Person aus der BRAK geehrt werde, unterstreicht für ihn auch die Verbundenheit beider Organisationen. LEISE LAUT Warum Sabine Fuhrmann eine so würdige Preisträgerin ist, zeigte die berührende Laudatio einer anderen starken Frau: Bambergs Kammerpräsidentin Ilona Treibert, die Sabine Fuhrmann mit großem Respekt würdigte. Sie sei nicht nur erfolgreiche Kanzleigründerin, Kammerpräsidentin und seit 2023 BRAK-Vizepräsidentin. Ihre fachliche Expertise sei in Sachverständigenanhörungen, Ausschüssen und Expertengremien gefragt. Und sie sei in etlichen weiteren Organisationen engagiert, im Bund Freier Berufe und im Förderverein der Stiftung Forum Recht etwa. Gespickt mit augenzwinkernden persönlichen Anekdoten zeichnete Treibert das Bild einer sympathisch-unprätentiösen, fachlich hervorragenden Frau mit Haltung, klaren Prinzipien und voller Tatendrang. Eine Frau der leisen, aber stets klugen Töne. Was sie sage, sei klar und deutlich und findet Gehör – Fuhrmann besitze damit eine seltene Fähigkeit: leise laut sein. Mit Selbstverständlichkeit trete sie für andere ein. Für bedrohte Anwaltskolleg:innen etwa. Denn hier geht es nicht um persönliche Angriffe, der Rechtsstaat als Ganzes wird bedroht. Sabine Fuhrmann schaue nicht weg, sondern nehme Sorgen ernst, mache Bedrohungen sichtbar und organisiere Unterstützung – keine großen Gesten, sondern konkrete Hilfe. Besonders hob die Laudatorin Fuhrmanns Engagement für junge Juristinnen und Juristen hervor. Sie gebe Orientierung, ermutige zur Gründung, gebe Zuversicht. Den weiblichen Nachwuchs habe sie dabei besonders im Blick: Sie mache Mut und sei als Gründerin – und Frau aus dem Osten – selbst ein Role Model. EIN APPELL GEGEN DIE SCHOCKSTARRE Und dann trat die Preisträgerin selbst ans Mikrofon. Dass sie so viel bewegen könne, sei vor allem das Ergebnis von Teamarbeit, betonte sie: das „Team Spirit“ in ihrer Kanzlei Spirit Legal, das „Team RAK“ in der Kammer Sachsen, das „Team BRAK“ und das „Team Zuhause“. Nichts davon hätte sie erreichen können, hätten nicht starke Frauen gezeigt, was eine Frau alles machen kann – zu allererst die Einzelanwältin, bei der sie im Studium arbeitete und deren Robe sie noch heute trage. Mit klarer Haltung endete Fuhrmann: „Schockstarre kann nicht das richtige Signal sein!“ – ihr Fazit zum Ausgang der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt. Man müsse sich jetzt mit noch viel mehr Nachdruck für den Rechtsstaat einsetzen. Und sie hoffe, alle im Raum seien bereit, diesen Weg auch mitzugehen. Der Applaus hallte lange nach. DAV-Präsident Stefan von Raumer, Preisträgerin Sabine Fuhrmann und Laudatorin Ilona Treibert Foto: DAV/Andreas Burkhardt

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