BRAK MAGAZIN 4/2026 6 ZUKUNFTSWERKSTATT AUSBILDUNG Ein Prozess und erste Erfolge Rechtsanwalt Christoph Höxter, Vizepräsident der Rechtsanwaltskammer Braunschweig Es ist kein Geheimnis, dass im Berufsfeld ReNo und ReFa seit Jahren ein Abwärtstrend bei Bewerbungen und Abschlüssen zu beobachten ist. Waren es 2003 bundesweit noch 8.845 neu eingetragene Verträge, verringerte sich diese Zahl 2023 auf nur noch 2.994. Im Bezirk der Rechtsanwaltskammer Braunschweig waren es 2003 noch 180 neue Ausbildungsverträge, 2023 hingegen nur noch 45. Im gleichen Zeitraum schlossen zwei von fünf berufsbildenden Schulen ihre ReNo-Klassen. Mit Appellen an die Kolleginnen und Kollegen und der Teilnahme an Berufsmessen hatte die Kammer versucht, dagegenzuhalten – vergeblich. ALARMSTUFE ROT – EIN WECKRUF Im März 2024 erreichte ein Brandbrief die Kanzleien rund um Northeim. Unter dem Betreff „Alarmstufe Rot” teilte die dortige Berufsbildende Schule mit, der Standort werde geschlossen. In der Diskussion zeigte sich: Das Berufsbild Rechtsanwaltsfachangestellte ist unter Schüler:innen nahezu unbekannt und wird mit „Tippen, Aktenstaub und Kaffeekochen” assoziiert. Ein echtes Image-Problem. Die Kammer sagte Unterstützung zu. ZUKUNFTSWERKSTATT AUSBILDUNG – EIN PROZESS BEKOMMT KONTUREN Ein erfreuliches Ergebnis gab es schon 2024: Das erforderliche Quorum für eine neue Klasse wurde erreicht. Im Januar 2025 schrieb die Kammer alle Mitglieder an und initiierte eine „Zukunftswerkstatt”. Zum ersten Treffen kamen 46 Personen – Anwältinnen und Anwälte, Lehrkräfte und sechs Auszubildende. Die Teilnehmenden teilten sich in vier Arbeitsgruppen auf: Ausbildungsbotschafter: Azubis stellen ihr Berufsfeld auf Messen und schulischen Orientierungstagen vor. Sechs Auszubildende ließen sich bei der IHK Braunschweig schulen. Erste Einsätze zeigten: Erheblich mehr Jugendliche suchten das Gespräch gerade mit den Azubis. Social Media: Die anwesenden Auszubildenden dämpften große Erwartungen. Ein Account bedürfe ständiger Pflege. Realistischer sei, den Zugang zur Kammer-Website zu erleichtern. Eine „landing- page” für Ausbildungs- und Praktikumsangebote wird initiiert. Onboarding-Prozess: Die Gruppe diskutierte, wie der Einstieg in die Ausbildung besser gelingen kann. Wesentlich seien Wertschätzung, Zeit, verlässliche Ansprechpartner und ein strukturierter Plan für die erste(n) Woche(n). Ausbilder qualifizieren: Die Notwendigkeit, die Ausbildung von Anfang an zu strukturieren und Ausbildungspläne realistisch zu erstellen, wurde herausgearbeitet. Ein Ausbildungsleitfaden liegt inzwischen vor. KONKRETE SCHRITTE AUF DEM WEG Bisher folgten zwei weitere Zukunftswerkstätten, die Teilnehmendenzahl blieb konstant. Gerade diese Kontinuität empfanden viele als hilfreich. Im September 2025 nahmen mehr als 50 Auszubildende aller Jahrgänge an einem Treffen in der Geschäftsstelle teil. Die Resonanz war ausgesprochen positiv. Viele hoben hervor, der Austausch untereinander habe gutgetan, das Gefühl „wir sind viele” habe sie bestärkt. Auch 2026 wird es ein solches Treffen geben. Ein Workshop für Ausbildende im September 2025 war gut besucht. Die Teilnehmenden empfanden den neuen Leitfaden als praktikabel und nahmen die Gelegenheit gern wahr, sich über Erfahrungen auszutauschen. Eine Wiederholung wird die Kammer auch 2026 anbieten. FAZIT Der Brandbrief aus Northeim hat einen Prozess angestoßen, der erste Früchte trägt. In drei Zukunftswerkstätten wurde an den Themen kontinuierlich weitergearbeitet, erste Aktionen fanden statt. Das wäre ohne den Einsatz der Lehrkräfte, engagierter Ausbildender und Azubis sowie der Kammer-Mitarbeitenden nicht möglich gewesen. Für November 2026 ist die nächste Zukunftswerkstatt geplant. Die Anzahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Kammerbezirk lag 2025 bereits um ein Drittel höher als im Vorjahr. Christoph Höxter ist Rechtsanwalt in Braunschweig. Er ist Vizepräsident der Rechtsanwaltskammer Braunschweig und betreut dort u.a. den Bereich Berufsbildung.
RkJQdWJsaXNoZXIy MTAwMjE3OQ==