BRAK-Magazin 4/2026

IMPRESSUM Bundesrechtsanwaltskammer – Körperschaft des öffentlichen Rechts, Littenstraße 9, 10179 Berlin Redaktion: Rechtsanwältin Dr. Tanja Nitschke, Mag. rer. publ. (verantwortlich) Verlag: Verlag Dr. Otto Schmidt KG, Gustav-Heinemann-Ufer 58, 50968 Köln (ausführliches Impressum unter www.brak.de/zeitschriften) EDITORIAL BEWEGUNG BEI DER AUSBILDUNG Rechtsanwältin Dr. Tanja Nitschke, Mag. rer. publ., BRAK, Berlin Alle Jahre wieder… Ende August bzw. Anfang September beginnt in ganz Deutschland das neue Schuljahr. Das bedeutet auch: Angehende Rechtsanwaltsfachangestellte oder Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte starten gerade in ihre Ausbildung. Zwar liegen noch keine endgültigen Zahlen vom Bundesinstitut für Berufsbildung vor, wie viele neu abgeschlossene Ausbildungsverträge es zu Beginn dieses Ausbildungsjahrgangs gibt. Doch bereits jetzt deutet sich an: Es sind erneut weniger als in den Vorjahren. Immerhin scheint sich der Abwärtstrend weiter zu verlangsamen. Im Aufwärtstrend ist dagegen die Ausbildungsvergütung. Die Anwaltschaft hat verstanden: Mit unterdurchschnittlichem Gehalt gewinnt man junge Leute nur schwer für einen so komplexen und verantwortungsvollen Beruf, ohne den Kanzleien und Rechtsstaat schlicht nicht funktionieren. Die Rechtsanwaltskammern empfehlen seit mehreren Jahren höhere Vergütungen, seit Kurzem für das erste Lehrjahr im Bundesdurchschnitt erstmals über 1.000 Euro. Die Vergütung ist damit im Vergleich zu ähnlichen Ausbildungsberufen inzwischen konkurrenzfähig – ein wichtiger Schritt, um den Nachwuchs an ReFas zu sichern. Doch es ist nicht allein die Vergütung. Jungen Menschen geht es bei der Entscheidung für oder gegen einen Beruf um mehr: um ein Arbeitsumfeld, mit dem sie sich identifizieren können, um lohnende Fortbildungsmöglichkeiten, um Sichtbarkeit, um Wertschätzung. Wie wichtig diese Faktoren sind, zeigen verschiedene Studien – und auch die Erfahrung. Christoph Höxter berichtet, wie die Kammer Braunschweig eine Trendwende geschafft hat und nun steigende Zahlen angehender ReFas verzeichnet: mit durchdachten Ideen gegen das Image von „Tippen, Aktenstaub und Kaffeekochen”, gemeinsam entwickelt und realisiert von Azubis, Anwält:innen, Berufsschulen und Kammer. Ein wichtiges Thema dabei: den Einstieg in die Ausbildung verbessern. Genau an diesem Punkt setzt auch eine gemeinsame Initiative von Verbänden aus ReFas und Anwaltschaft an. Denn zu viele Azubis sind bereits nach wenigen Wochen frustriert und brechen ihre Ausbildung ab. Hier wollen die Verbände gegensteuern. Sie geben ausbildenden Kanzleien eine Orientierung, wie gutes „Onboarding“ von Azubis aussehen kann. Ronja Tietje erklärt die einzelnen Schritte und gibt ganz konkrete Tipps zur Umsetzung im Kanzleialltag. Auch bei den Fortbildungsmöglichkeiten ist einiges in Bewegung. Bislang gab es im Wesentlichen die Option Rechtsfachwirt bzw. -fachwirtin. Nach intensiver gemeinsamer Vorarbeit von BRAK, ReNoBundesverband und Forum Deutscher Rechts- und Notarfachwirte wurde 2025 das komplexe Reformverfahren für die Rechtsfachwirt:innen-Ausbildung angestoßen. Konzepte für fachlich spezialisierte Fortbildungen zum Bachelor Professional und zu geprüften Berufsspezialist:innen wurden erarbeitet; die neuen Prüfungsordnungen kommen zum Herbst 2026. Dr. Christoph Möllers berichtet, wie BRAK und Kammern mit Hochdruck an der Umsetzung arbeiten. Erklärtes Ziel: den Ausbildungsberuf ReFa / ReNo durch mehrstufige und vielfältige Fortbildungsstufen attraktiver machen. Doch der weitaus wichtigste Faktor, damit angehende ReFas und ReNos langfristig in Kanzleien bleiben, ist Wertschätzung. Das belegen unisono aktuelle Studien zur Berufszufriedenheit. Natürlich ist das etwas, was in den Kanzleien im Alltag gelebt werden muss und natürlich ist Wertschätzung auch keine Einbahnstraße von der Anwältin zum ReFa, sondern sollte den Umgang aller in der Kanzlei prägen. Doch es braucht auch strahlkräftige Symbole. Anfang August wurden erstmals die besten frisch ausgelernten ReFas und ReNos aller Kammerbezirke bei einer Veranstaltung in Berlin geehrt; auch dies ist eine gemeinsame Initiative von BRAK, Fachangestelltenverbänden und DAV. Die äußerst positive Resonanz zeigt: ein gelungenes Projekt. Hier knüpft auch der „Tag der Kanzleiheld:innen“ an. Jedes Jahr am zweiten Mittwoch im Monat sind Kanzleien aufgerufen, mit kreativen Aktionen oder kleinen Gesten die Arbeit ihrer Fachangestellten zu würdigen. Machen Sie am 11. November mit! Foto: Oliver Hurst

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