BRAK-Magazin Ausgabe 1/2026

BRAK MAGAZIN 1/2026 9 RECHT GEGEN UNRECHT – DAMALS WIE HEUTE Ilayda Cetin, Berlin* „Wichtig für ihn waren nämlich die zwei großen G: Gewaltlosigkeit und Gerechtigkeit“, sagt der Journalist Heribert Prantl über Hans Litten. Hans Litten war ein Anwalt, der jeden Menschen verteidigte – egal welche Herkunft oder politische Überzeugung dieser hatte. Hans Litten war der Anwalt, der Adolf Hitler im Gerichtssaal entlarvte und damit zum Symbol des Widerstands wurde. Hans Litten war der Anwalt, der alles riskierte, um Unrecht öffentlich zu machen, und das mit seinem Leben bezahlte. JURISTISCHE MITTEL GEGEN POLITISCHES UNRECHT Hans Litten zeigte, dass ein einzelner Anwalt den Mut haben kann, Machtstrukturen infrage zu stellen. Auch heute brauchen viele Menschen weltweit Anwälte und Anwältinnen, die sich für ihre Rechte einsetzen. In Russland sitzen Oppositionelle und Journalisten in Haft, weil sie Kritik an der Regierung äußern. In der Türkei werden Rechtsanwälte verfolgt, wenn sie politische Gefangene verteidigen. Auch in europäischen Ländern nehmen Hetze gegen Minderheiten und Angriffe auf die Pressefreiheit wieder zu. Leider kommt es auch in Deutschland immer wieder zu derartigen Situationen: Die frühere Anwältin des Solinger Attentäters wurde bedroht. Neben ihrer Kanzlei wurden symbolische Gräber mit Holzkreuzen aufgestellt. Das Wirken Hans Littens ist auch heute noch von großer Aktualität. Sein Mut, juristische Mittel gegen politisches Unrecht einzusetzen, bleibt ein Vorbild für alle, die sich für die Rechte von Verfolgten und Unterdrückten einsetzen. Besonders deutlich wird dies im sog. Eden Palast-Prozess im Jahr 1931. Dort verteidigte Hans Litten linke Demonstranten, die mit der SA (Sturmabteilung der NSDAP) in eine Auseinandersetzung geraten waren. Während der Verhandlung zwang Litten Adolf Hitler, unter Eid auszusagen. Er brachte Hitler in Bedrängnis, indem er dessen Aussagen über die angebliche Gewaltlosigkeit der NSDAP mit konkreten Gewaltakten seiner Anhänger konfrontierte. Das war ein mutiger Akt politischen Widerstands im Gerichtssaal mit juristischen Mitteln. Diese Haltung hatte einen Preis. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Litten 1933 ohne Anklage oder Prozess verhaftet und in verschiedene Konzentrationslager verschleppt. Fünf Jahre lang war er schwerer körperlicher und seelischer Gewalt ausgesetzt. 1938 nahm er sich im KZ Buchenwald das Leben. Doch sein Mut lebt weiter – nicht nur in Geschichtsbüchern, sondern auch in aktuellen juristischen und politischen Debatten. Hans Litten war kein neutraler Jurist. Seine politische Haltung war klar: Er stellte sich auf die Seite derjenigen, die vom Staat unterdrückt und verfolgt wurden. Seine Arbeit zeigt, wie sehr juristische Verfahren auch ein politischer Akt sein können. Er glaubte an das Recht als Schutzschild für die Schwachen, nicht als Werkzeug der Mächtigen. RECHT MUSS VERTEIDIGT WERDEN – GERADE IN DIESER ZEIT Hans Littens Geschichte erinnert uns daran, dass das Recht nicht neutral ist: Es muss verteidigt werden. Wer sich gegen Unrecht stellt, braucht Mut, Zivilcourage und ein klares Werteverständnis. Genau das zeichnete Litten aus: Er verstand das Gesetz nicht als Bühne für sich selbst, sondern als Werkzeug, um Schutzlosen eine Stimme zu geben. Gerade in einer Zeit, in der autoritäre Tendenzen weltweit zunehmen, ist Hans Litten ein mahnendes Beispiel. Sein Einsatz für Gerechtigkeit und Gewaltlosigkeit erinnert uns daran, dass Rechtsstaatlichkeit immer wieder neu verteidigt werden muss – von Anwältinnen und Anwälten, aber auch von jeder und jedem Einzelnen. Foto: Paul David Doherty (CC BY-SA 3.0) Stolperstein für Hans Litten in Berlin-Mitte Zum 88. Todestag am 5.2.2026 erinnert die BRAK gemeinsam mit der Hans-Litten-Schule an Hans Litten. Der Artikel ist im Rahmen eines Unterrichtsprojekts zum journalistischen Schreiben entstanden. Basis ist eine Recherchetour, bei der Originalschauplätze von Littens Leben sowie die BRAK besucht wurden. Das Projekt findet in Kooperation mit der evangelischen Jugendbildungsstätte Haus Kreisau statt. * Die Autorin ist Schülerin der 12. Klasse des beruflichen Gymnasiums der Berliner Hans-Litten-Schule und besucht den Leistungskurs Recht.

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