BRAK MAGAZIN 1/2026 17 er Teams sowohl fachlich als auch didaktisch vorbereitet. Neben Fragen zum Aufbau von Schriftsätzen stehen rechtliche Schwerpunkte wie Berufs- und Erbrecht sowie aktuelle Themen wie der Einsatz künstlicher Intelligenz in der Anwaltschaft auf dem Programm. Der Erfolg zeigt sich deutlich: Die Qualität der Beiträge steigt kontinuierlich. Juror:innen, die den Wettbewerb seit vielen Jahren begleiten, bestätigen einhellig, dass das Niveau Jahr für Jahr beeindruckender wird. VON HARVARD NACH HANNOVER: TRADITION MIT TRANSATLANTISCHEN WURZELN Die Idee des Moot Courts stammt ursprünglich aus den USA. Dort trainieren Jurastudierende seit Jahrzehnten in simulierten Gerichtsverhandlungen nicht nur juristische Präzision, sondern auch Überzeugungskraft, Rhetorik und Strategie. Der Hans Soldan Moot Court hat dieses Format nach Deutschland gebracht und konsequent auf die anwaltliche Praxis ausgerichtet. Getragen von der Hans-Soldan-Stiftung sowie BRAK, Deutschem Juristen-Fakultätentag und Deutschem Anwaltverein verfolgt der Wettbewerb ein klares Ziel: die anwaltliche Perspektive in der juristischen Ausbildung zu stärken. „Das Anwaltsrecht ist an deutschen Universitäten in Forschung und Lehre oft unterrepräsentiert“, so Professor Wolf, der den Wettbewerb seit über zehn Jahren prägt. Der Moot Court schließt genau diese Lücke – als Brücke zwischen Hörsaal und Kanzlei. MEHR ALS PARAGRAPHEN: DIE LERNERFAHRUNG DER TEILNEHMENDEN Für die Studierenden ist der Soldan Moot eine prägende Erfahrung. Sie verfassen Schriftsätze, die von erfahrenen Praktiker:innen bewertet werden, strukturieren komplexe Argumente und müssen sich in mündlichen Verhandlungen behaupten. Dabei erwerben sie Fähigkeiten, die im Berufsalltag unverzichtbar sind: Teamarbeit, rhetorische Stärke, strategisches Denken und Belastbarkeit. Der Einsatz ist enorm. Formulierungen werden gefeilt, Argumente geschärft, Schriftsätze mehrfach überarbeitet. Viele Teams berichten später, dass der Moot Court ihre Sicht auf das Jurastudium grundlegend verändert hat. Abstrakte Theorie wird plötzlich greifbar, juristische Verantwortung real. EIN STARKES NETZWERK Der Hans-Soldan-Moot-Court lebt vom Engagement der Praxis. Anwält:innen, Richter:innen und Kammer-Angestellte investieren Zeit, Erfahrung und oft auch eigenes Geld, um Schriftsätze zu korrigieren oder als Juror:innen mitzuwirken. Viele nehmen dafür Urlaub – aus Überzeugung. Der Gewinn ist groß: Als Juror:in erlebt man hautnah, welches Potenzial in der nächsten Generation steckt. Studierende aus den frühen Semestern argumentieren mit einer Professionalität, die beeindruckt. Zugleich entsteht ein wertvolles Netzwerk. In Pausen, Gesprächen und gemeinsamen Veranstaltungen werden Kontakte geknüpft, die oft lange über den Wettbewerb hinaus Bestand haben. AUSBLICK UND EINLADUNG Am 13.10.2025 wurden nach intensiven Vorrunden die Gewinner:innen (siehe im Einzelnen Nachrichten aus Berlin 21/2025) gekürt – hochverdient, wie alle Beteiligten betonten. Aber ehrlich gesagt: Eigentlich haben alle Teams gewonnen. Die Qualität, das Engagement und die Leidenschaft waren durchweg auf höchstem Niveau. Der Hans-Soldan-Moot-Court ist mehr als ein Wettbewerb. Er ist ein Ort des Wachsens, des Ausprobierens und der Begegnung zwischen Universität und Praxis. Damit das so bleibt, braucht er die Unterstützung der Anwaltschaft. Jede Anwältin und jeder Anwalt, die/der sich einbringt, investiert in die Zukunft des Berufsstands. Die nächste Generation ist bereit: motiviert, talentiert, kreativ – und im besten Sinne des Wortes mootig. Jetzt liegt es an uns, sie zu begleiten und diese Brücke zwischen Uni und Praxis weiter zu stärken. Es lohnt sich. Versprochen. Die Gewinnerinnen des BRAK-Preises für den besten Klageschriftsatz Annika Zischke, Madlen Block, Charlotte Rebien, Rosa van Rhee (v.l.n.r.; Team Uni Hamburg II) mit BRAK-Vizepräsident Dr. Thomas Remmers Sie möchten als Richter:in, Juror:in oder Korrektor:in beim Soldan Moot vom 8.–10.10.2026 dabei sein? Hier geht es zur Anmeldung!
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