BRAK-Magazin Ausgabe 1/2026

BRAK MAGAZIN 1/2026 16 SEIEN SIE MOOTIG! – DER HANS SOLDAN MOOT COURT 2025 Wenn Studierende zu Anwält:innen werden Ass. jur. Anja Jönsson, BRAK Berlin „Seien Sie mootig!“ – als Dr. Dario Arconada Valbuena diesen Satz beim traditionellen „Talks & Drinks“ im Rahmen des 13. Hans Soldan Moot Courts in Hannover in die Runde warf, traf er den Kern der Veranstaltung. Denn genau darum geht es beim Soldan Moot: Mut zeigen, sich exponieren, die eigene Position vertreten – und dabei manchmal über sich selbst hinauswachsen.„Mootig“ sein heißt, Verantwortung zu übernehmen, Haltung zu zeigen und sich auf unbekanntes Terrain zu wagen. Im Oktober 2025 war es wieder so weit: 31 Teams von 19 deutschen Universitäten reisten nach Hannover, um in insgesamt 69 simulierten Gerichtsverhandlungen ihr Können unter Beweis zu stellen. Wer als Juror:in dabei war, konnte kaum anders, als beeindruckt zu sein – von der Professionalität der Argumentation, der Souveränität im Auftreten und der Kreativität der Lösungsansätze. Schnell wurde deutlich: Der Hans Soldan Moot Court ist weit mehr als ein studentischer Wettbewerb. Er ist ein aufwendig organisiertes Großprojekt, ein Ausbildungsformat mit Tiefgang – und für viele Beteiligte eine echte Herzensangelegenheit. EIN BLICK HINTER DIE KULISSEN Die Moot-Court-Woche bildet den Schlusspunkt eines weit umfangreicheren Prozesses: Die reibungslos ablaufenden Verhandlungen, souveräne Auftritte der Studierenden und die konzentrierte Arbeit der Juror:innen basieren auf monatelanger Vorbereitung. Diese liegt nicht nur bei den Teams, sondern vor allem bei den Veranstaltern. Feinschliff vor dem Finale Bevor die Teilnehmenden im Oktober nach Hannover reisten, nutzten sie die Soldan Pre-Moots, um ihre Argumentation unter Wettbewerbsbedingungen zu schärfen. Ende September und Anfang Oktober dienten Bayreuth, Bonn Hamburg und Berlin als wichtige Etappenziele, bei denen die Teams wertvolle Impulse für das große Finale sammelten. Ein Lehrstuhl im Ausnahmezustand Die Fäden des Wettbewerbs laufen beim Institut für Prozess- und Anwaltsrecht (IPA) der Leibniz Universität Hannover unter der Leitung von Professor Dr. Christian Wolf zusammen. Während der Wettbewerbsphase steht der gesamte Lehrstuhl für über eineinhalb Wochen nahezu vollständig im Zeichen des Soldan Moot – der reguläre Betrieb ruht. Die Vorbereitungen beginnen jedoch bereits fast ein Jahr zuvor. Zum Organisationsteam gehören u.a. die wissenschaftlichen Mitarbeitenden Moritz Reineke, Hannah Hölzen und Enis Robert Dibrani. Gemeinsam entwickeln sie den Fall, diskutieren Ideen, verwerfen Ansätze und feilen so lange, bis ein Szenario entsteht, das der anwaltlichen Realität möglichst nahekommt. Der Anspruch ist hoch: Der Fall muss realistisch sein, juristisch anspruchsvoll und zugleich für beide Seiten fair. „Die größte Kunst ist es, einen Fall so zu schreiben, dass er für Kläger- und Beklagtenseite gleichermaßen gewinnbar ist“, erklärt Professor Wolf. Was einfach klingt, ist in Wahrheit hochkomplex. Die Fallakten bestehen aus vollständigen Schriftsätzen, Gutachten, Testamenten, E-Mail-Verläufen und Chatprotokollen – detailreich und stimmig bis ins Kleinste. Der Fall 2025 war besonders anspruchsvoll: Erbrecht traf auf anwaltliches Berufsrecht, ergänzt um Haftungsfragen und die bekannten Risiken des beA-Versands. Ein Szenario, wie es in der anwaltlichen Praxis jederzeit auftreten könnte. Wochenlang wurde jedes Detail geprüft, jede mögliche Argumentationslinie durchdacht. Parallel dazu laufen umfangreiche organisatorische Aufgaben: Schriftsätze müssen anonymisiert und ausgelost, Juror:innen und Richter:innen gewonnen und koordiniert werden. Während der Verhandlungswoche ist das gesamte Team im Dauereinsatz. „Die Moot-Court-Woche legt unseren Lehrstuhl faktisch lahm“, sagt Wolf offen. FÖRDERUNG VON ANFANG AN Das Engagement des IPA geht jedoch über die reine Organisation hinaus. Neue Universitäten erhalten ein „Starthilfepaket“, zudem gibt es das Format „Coaching for Coaches“. In einer zweitägigen Veranstaltung werden Lehrende und Betreuer:innen neuFinal-Verhandlung vor dem LG Hannover – rechts: das siegreiche Team I der Uni Hannover (Cara Wille, Maximilian Swenty)

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